Die Welt um mich herum in Fotos und Texten

Kategorie: Arbeit (Seite 17 von 47)

Männergespräche

Jens, Rüdiger, Basti und ich sitzen im Büro. Da weder Kunden noch Kollegen oder das Telefon uns stören, plaudern wir die ganze Zeit.

Jens eröffnet die Runde "Ihr könnt mich für einen Warmduscher halten, aber ich suche für den Winter so eine Decke, die man mit Reißverschluß zu einem Sack zumachen kann. Ich habe immer so kalte Füße, da hilft nix."
Rüdiger "Och, sowas habe ich letztens im Kaufhof für 9 Euro gesehen."
Jens "Echt? Bisher habe ich so Dinger immer für mind. 40 Euro gesehen."
Ich "Mir helfen selbstgestrickte Strümpfe sehr gut."
Jens "Ne, die kratzen doch so. Das vertrage ich nicht."
Ich "Ne, da muß man Strumpfstrickwolle nehmen. Oder Bambuswolle, die ist besonders weich und atmungsaktiv."
Jens "Bambuswolle? Hab ich ja noch nie gehört."
Rüdiger "…und selbstgestrickte Strümpfe kannst du ja auch mehrere Tage hintereinander tragen, die miefen nicht so schnell. Meine Mutter versorgt die ganze Familie damit. Wenn wir zuhause nebeneinander sitzen, haben wir alle die gleichen Socken an."
Basti "Ich trage sogar im Bett Socken, sonst kann ich nicht einschlafen. Ich habe immer so kalte Füße."
Jens "Kalte Füße sind scheiße! Ich habe es schon mit Thermosocken probiert. Die bringen auch nix. Das ist einfach rausgeschmissenes Geld."
Basti "Ich war mal mit meinem Sohn zum Zelten. Irgendwann über Ostern, da war so ein Scheißwetter, hat nur geregnet. Und trotz Thermoschlafsack und Isomatte drunter habe ich gefroren ohne Ende. Da habe ich nachher in meinem Outdoorshop gemeckert, daß ihre Sachen ja wohl nix taugen. Da zeigt mir der Typ so Schlafsocken. Sehen scheiße aus, machen aber die Füße perfekt warm. Seitdem schlafe ich nie mehr ohne. Selbst im Sommer. Ich hab auch immer eine Heizdecke im Bett. Die mach ich mir abends an und wenn ich dann unter die Decke krieche, ist es schön warm."
Rüdiger "Neeee! Bloß kein warmes Bett! Das muß kalt sein, das wärme ich mir selbst an."
Ich "Genau, warmes Bett geht gar nicht. Und die Decke muß groß sein, damit ich mich voll eindrehen kann. Wir haben seit Jahren Bettdecken in 155×220 cm. Da hast du soviel Decke, da gibt's keine Kältebrücken. Nur mit der Anschaffung der Bezüge war es anfangs schwierig, die gab's kaum. Hat sich inzwischen aber auch geändert."
Rüdiger "Ich schlafe meist nur halb zugedeckt. Ich friere im Bett nicht so leicht."
Basti "Ach, mein Arzt hat mir gesagt, ich soll alles tun, damit ich mich im Bett wohlfühle. Ich hab auch immer Ohrstöpsel. So Silikondinger, die sich an meinen Ohren anpassen. Damit schlafe ich super. Darf man nur Morgens vor'm Zähneputzen nicht vergessen rauszunehmen, sonst denkt man, jemand arbeitet mit nem Preßlufthammer im Schädel."

Ich "Jungs, merkt ihr eigentlich, daß wir hier ein Alte-Männer Gespräch führen?"

Einen Moment ist Ruhe im Raum… dann leises Gekichere.

Mysteriöser Anruf im Büro

Mit Callcenter-Anrufern habe ich ja Erfahrung und erlaube mir oft einen Scherz mit ihnen. Aber was eben passierte, hat mich doch sehr verblüfft.

Das Telefon klingelt. Als ich mich melde, spricht eine Frau mit schwäbischem Akzent.

Frau "Kann ich mal den Manfred sprechen?"
Da sie sich nicht mit Namen gemeldet hat, stelle ich mich doof.
Ich "Welchen Manfred?"
Frau "Kann ich mal den Manfred sprechen?"
Ich "Welchen Manfred?"
Statt einer Antwort knackt es in der Leitung und eine männliche Stimme dringt an mein Ohr.
Mann "Hier ist Meier. Ich wollte den Computer zurückgeben, den ich bei Ihnen gekauft habe."
Ich "Welchen Computer?"
Mann "Na den Computer, den ich über eBay bei Ihnen gekauft habe."
Ich "Ne, das kann nicht sein. Wir verkaufen nichts über eBay."
Mann "Aber 100 pro!"
Ich "Ne ne, da haben Sie sich verwählt. Wir dürfen gar nicht auf eBay handeln."
Mann "Aber 100 pro!"
Ich "Bestimmt nicht! Welche Nummer haben Sie denn gewählt?"
Der Mann spricht unsere Telefonnummer Ziffer für Ziffer gaaanz langsam und monoton vor. Das kommt mir sehr komisch vor, es hört sich wie ein Telefoncomputer an.
Ich "Na, das hört sich aber wie ein Telefoncomputer an. Ich glaube, da will mich jemand verarschen."
Mann "Aber 100 pro!

Tja, meine Lieber, das war's dann wohl. Überlistet!

Da die Kollegen verwirrt gucken, schildere ich ihnen kurz das Gespräch, während die Computerstimme weiter aus dem Hörer tönt. Dann lege ich auf.

Eine Suche im Internetz bringt eine Telefonspaßseite hervor, die solche Anrufe nach Eingabe einiger Daten tätigt. Na toll! Manche Menschen haben einfach zuviel Tagesfreizeit…

 

Intime Geständnisse

Immer wieder passiert es, daß wir im Büro Geschichten erfahren, die wir gar nicht wissen wollen und die nur böses Kopfkino verursachen.

So gab z. B. die Kollegin Gertrud irgendwann im Gespräch mal zum Besten, daß sie gerne Latex Klamotten trage, weil die Männer das gut finden. Auf verdutzte Nachfrage zückte sie ihr Handy und zeigte Fotos, die sie in rotem Latex und eindeutigen Posen auf dem Bett liegend zeigten. Dabei waren auch Aufnahmen, auf denen sie mit einer Salatgurke an sich rumspielte. Seitdem hatte sie den Spitznamen "Gurken Gerti" weg und das Wort "Gurkensalat" erzeugt bei uns immer noch ein unangenehmes Gefühl in der Magengegend.

Nach diesen intimen Information hatte Gerti häufig wechselnde Freundschaften. Eines Morgens kam sie heulend in die Firma und beschwerte sich, daß ihr aktueller Freund Schluß gemacht habe. Und natürlich gab sie ungefragt den genauen Ablauf zum besten: "Gestern Abend war der Günter bei uns zum Saufen. Und da ist es später geworden und er hat im Wohnzimmer geschlafen. Heute morgen war ich gerade in der Küche und da kam er völlig nackt aus dem Bad und wollte von mir einen geblasen haben. Hab ich ne gesagt, mach ich nicht. Und da hat er mir eine runter gehauen. Da bin ich zu meinem Freund und hab ihm das erzählt und was macht der Blödmann? Klatscht mir auch eine, weil ich seinem Kumpel keinen Gefallen getan hab. So ein Arschloch!"

Zu Gertis Verteidigung muß man sagen, daß sie wahrlich nicht die hellste Kerze auf der Torte war und sich zusätzlich durch jahrelangen Drogenmißbrauch eine Menge Gehirnzellen verbrannt hat.

Und dann arbeitete mal ein junges Ehepaar, Typ Grufty, bei uns. Sie hatte Ähnlichkeit mit Mortitia Adams, er war mehr der einfältige Knecht der Finsternis. Eines Tages kam das Gespäch auf Familienplanung und ob sie denn auch Kinder haben wollten, worauf die junge Frau bestimmt antwortete "Neee, nicht mit mir! Ich lasse doch keinen Kerl an mich ran, ich bin lesbisch! Der wird abends an's Bett gefesselt und ausgepeitscht, der braucht das. Und wenn ich gute Laune habe, darf er zusehen, wie ich mit meiner Freundin rummache."
Nach dieser Aussage hatte der Mann einen sehr schweren Stand bei den Kollegen und wurde nicht mehr zu Aufträgen mitgenommen.

Ein paar Monate später, mitten im Winter, war dem Pärchen der Gefrierschrank kaputt gegangen und sie hatten bei uns im Lager einen neuen gekauft. Kurz nach der Lieferung riefen die Frau aufgeregt im Büro an: "Hör mal, ihr habt doch vorhin den alten Kühlschrank abgeholt. Könnt ihr mal gucken, ob da noch die eingefrorenen Katzen drin sind?"

Wir hielten es erst für einen schlechten Scherz, aber sie erklärte uns die Sache: vor kurzem hatte ihre Katze geworfen und die Kätzchen waren in einem unbeobachteten Moment in der Badewanne ersoffen. Sie wollten die Kleinen im Garten beerdigen, aber der Boden war zu hart, so daß sie die Sache auf den Frühling verschoben hatten. Damit die Kätzchen bis dahin nicht verwesen und stinken, hatten sie sie ordentlich in Gefrierbeutel verpackt und tiefgekühlt.

Glücklicherweise waren die Leichen nicht im alten Kühlschrank. Das Ansehen der Leute war nach dieser Aktion natürlich endgültig zerstört.

 

Komplizierte Beziehungen

Zwei Kollegen, nennen wir sie Jupp und Horst, haben im Moment Streit miteinander. Wenn man den ganzen Tag zusammen arbeitet, ist das nicht einfach. Erschwerend kommt aber hinzu, daß die beiden vor Jahren aus Kostengründen eine WG gegründet haben und sich so auch in der Freizeit dauernd über den Weg laufen.
Um der Sache auf den Grund zu gehen und das Problem möglicherweise klären zu können, hat unser Chef mit Jupp ein längeres Gespräch geführt. Dabei hat er folgende Geschichte erfahren:

Jupp schwärmt schon seit langem für Wendy, die jedoch mit Stefan zusammen war und mit diesem auch ein Kind hat. Nachdem sich das Paar Ende des Jahres getrennt hatte, sah Jupp seine Chance gekommen, die Dame seines Herzens für sich zu gewinnen. So bot er ihr Unterschlupf in der MännerWG, den sie gerne annahm.

Allerdings zeigte sich bereits am ersten Abend, daß Wendy viel mehr für Horst übrig hatte und mit ihm nicht nur diese Nacht, sondern auch alle weiteren verbracht. Wobei die eindeutigen Geräusche aus dem Zimmer des glücklichen Paares nicht dazu geeignet waren, Jupps Laune zu verbessern.

Was dem Ganzen jetzt aber die Krone aufsetzt ist, daß Horst Wendy geschwängert hat! Und so wie es aussieht, ist das bereits in der ersten Liebesnacht passiert.

 

 

 

Nimm mir alles, lass‘ mir nur ’ne Ausrede!

Wenn wir Umzüge oder Wohnungsauflösungen duchführen, sind die Kollegen angehalten, vor und nach der Arbeit Treppenhaus und Wohnung beim Kunden auf Schäden zu überprüfen. Das dient dazu, bei Beschädigungen durch uns schneller Abhilfe schaffen zu können oder unberechtigte Ansprüche abzuwenden.

Dafür gibt es eine Word Vorlage namens „Treppenhausprotokoll“, die wir immer zum jeweiligen Auftrag beilegen. Leider kriegen es unsere Leute oft nicht hin, sich fünf Minuten Zeit zu nehmen und mal eben mit dem Kunden zusammen diese kurze Notiz auszufüllen.

Natürlich gibt auf Nachfrage keiner zu, daß man es einfach vergessen hat oder vielleicht keine Lust dazu hatte. Und so ist die Auswahl an möglichen Antworten bunt und mannigfach:

  • „Das Protokoll war nicht nötig: wir haben eine Matratze auf den Bürgersteig gelegt und alles aus der 1. Etage runter geschmissen.“
  • „Die Hütte war so gammelig, da fallen unsere Schäden auch nicht mehr auf.“
  • „Wir haben ja nix kaputt gemacht, da brauchten wir auch nix aufschreiben.“
  • „Ein Treppenhausprotokoll war nicht nötig, wir haben den Aufzug benutzt.“

Aufgrund dieser letzten Aussage habe ich die Vorlage in „Aufzug- / Treppenhausprotokoll“ geändert, was aber auch nicht viel genutzt hat…

  • „Ein Protokoll haben wir nicht gemacht. Das war ein Einfamilienhaus, da ging es direkt auf die Straße raus.“
  • „Das Protokoll brauchten wir nicht: wir haben alles aus dem Fenster in den Garten raus gereicht.“

 Fortsetzung folgt…

Der Titel dieses Eintrags ist ein Zitat meiner Mutter, die uns Kinder damit irre gemacht hat. Mütter wissen einfach immer alles, selbst wenn man nichts sagt und kein Mensch bei der Verfehlung dabei war.

 

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