Vor der Firma haben die Stadtwerke die Straße aufgerissen, um Abwasserkanäle und Versorgungsleitungen zu erneuern. Dafür wurden an beiden Straßenseiten Halteverbotszonen eingerichtet.
Aber natürlich findet sich immer der ein oder andere Mitbürger, der sein Gefährt unbedingt im gesperrten Bereich abstellen muß.
So steht dieses Vehikel schon seit zwei Tagen im momentan stillgelegten Baustellenbereich.
Und morgens stolpere ich vor dem Eingang zur Firma jetzt über dieses Moped. Das scheint ein neuer Anwohner zu sein oder jemand hat den Motorradführerschein frisch gemacht, denn die Maschine ist mir vorher noch nicht unter die Augen gekommen.
Daß beide Fahrzeuge nicht ganz sauber abgestellt sind, scheint die Besitzer nicht besonders zu stören.
Ich warte darauf, daß es die Bauarbeiter stört. Dann wird’s spaßig.
Heute gab es die 2. Spritze. Nachdem vorher ein paar Unklarheiten wegen Ort und Zeit bestanden, erhielt ich letzte Woche ein Email mit den nötigen Unterlagen und der freudigen Mitteilung, daß ich wieder ins örtliche Impfzentrum kommen darf.
Diesmal war es etwas voller und der Ablauf deutlich bürokratischer:
Kontrolle an der Einfahrt zum Gelände
Kontrolle vor dem Parkplatz „Haben Sie Ihre Impfeinladung dabei?“, dann Einweisung zum Parken vom nächsten Security Mann
Kontrolle vor dem Impfzelt „Bitte einmal hier die Hände desinfizieren.“
Kontrolle inkl. Personalausweis direkt am Eingang, ein paar Schritte weiter wird meine Temperatur gemessen, Frage nach dem werten Befinden und Zutrittserlaubnis
Das Impfzentrum ist gegenüber meinem ersten Besuch umgestaltet worden: nach dem Eingangsbereich kommen 10-15 Schreibtische, die sich an beiden Wänden des Zeltes gegenüberstehen. Dort sitzen Mitarbeiter hinter Plexiglasabtrennungen an Computern.
Erneute Kontrolle meiner Impfunterlagen und des Personalausweis sowie Eingabe meiner Daten in einen PC „Sie haben beim letzten Mal Astra gekriegt. Sind Sie schon über 60?“ – „Ja, 63.“ – „Ok, dann kriegen Sie wieder Astra.“
Der freundlich Mann geleitet mich zu einer weiteren Mitarbeiterin „Der Herr kriegt Astra“, sie tippt etwas auf einem Touchscreen ein und gibt mir einen Ausdruck. „Bitte warten Sie hier nebenan.“
Im Warteraum sitze ich mit einigen älteren Herrschaften zusammen. Auf einem großen Bildschirm läuft in Endlosschleife ein Aufklärungsfilm des Gesundheitsministeriums zum Impfablauf. Über allem liegt lautes Stimmengewirr, Schritte, Knarren des Holzbodens und ein undefinierbares Geklapper.
Alle paar Sekunden kommt ein Mitarbeiter hinter einer Abtrennung hervor und ruft eine Nummer „B102, B103, B104…“, worauf sich eine der Herrschaften erhebt und hinter dem Mann hertrottet. Da es alles deutlich über 70 Jahre sind, folgere ich messerscharf, daß sie mit Biontech geimpft werden. Die schnöde A9 auf meinem Zettel steht dann für AsteaZeneca und der neunte Empfänger heute.
Als ich endlich dran bin, kontrolliert der Impfarzt nochmal meine Unterlagen, fragt wie ich die letzte Impfung vertragen habe und schon steckt die Spritze in meinem Arm.
Als ich Anfang März geimpft wurde, sagte mir der Arzt, daß sich der zweite Termin um drei Wochen nach hinten verschieben würde und ich mich deswegen mal bei der Stadt erkundigen solle.
Da die Impfhotline allgemein sehr schlecht erreichbar ist, habe ich es zur Kenntnis genommen und mich nicht darum gekümmert. „Wenn die was von mir wollen, sollen sie sich halt melden.“ Und tatsächlich erhielt ich Ende März ein Mail mit dem neuen Termin. „Na bitte, geht doch!“ dachte ich.
Vor vier Wochen hörte mein Frau dann im Lokalradio, daß Zweitimpfungen nicht mehr im Impfzentrum verabreicht werden, sondern von bestimmten niedergelassenen Ärzten. Die Webseite der Stadt erklärte allerdings, daß es nur für Personen unter 60 Jahren gelte, für über 60 jährige solle sich nichts ändern.
Vor drei Wochen hieß es, daß jetzt auch Personen über 60 für die Zweitimpfung zu einem niedergelassenen Arzt müssen. Dieser würde sich per Email melden.
Da meine Zweitimpfung inzwischen nur noch zwei Wochen entfernt ist und ich immer noch keine Info habe, wo und wann ich erscheinen soll, habe ich heute nochmal auf der Webseite der Stadt nachgesehen. Und da stand, daß ab Juni Personen über 60 Jahre doch wieder im Impfzentrum die zweite Spritze kriegen. Hoffentlich bleibt es jetzt dabei!
Nach dem sehr warmen Sonntag ist es angenehm kühl.
Über den Parkplatz am Aldi schrillt ein Einbruchalarm.
Ein Streifenwagen fährt vorbei.
Der Altpapiercontainer wurde gerade geleert. Man muss auch mal Glück haben.
In der Warteschlange beim Bäcker stehen verschlafene Gestalten. Nur der Metalhead vor mir scheint wach zu sein. Zumindest bewegt er seinen Kopf im Takt der Musik, die aus seinen Kopfhörern dröhnt.
Langsam bereitet sich die Stadt auf die Arbeitswoche vor.
Ich verlasse das Haus für einige Besorgungen. Das Auto warnt mich: „3,5° Außentemperatur, Gefahr von Glätte“. Das ist genau das, was man am 5. Mai hören möchte.
Mein erstes Ziel ist die Innenstadt, das Parkhaus des Konsumtempels (neudeutsch „Shopping Mall“ genannt). Die erste Ebene ist gut belegt, auf Ebene 2 ist es so leer, daß man entspannt Fußball spielen könnte.
Auf der Ladenstraße dudelt die übliche Musik leise vor sich hin. Nur wenige Leute schlendern durch die Gänge, die meisten Geschäfte sich geschlossen oder verlangen eine Terminabsprache zum Betreten. DM und Supermarkt lassen ihre Kunden jedoch weitgehend unbehelligt eintreten.
Ich erledige schnell meine Besorgungen und verlasse diesen geisterhaften Ort.
Nächster Halt: Getränkemarkt.
Vor den Pfandautomaten herrscht etwas Gedränge. Drei Jugendliche mit zwei Einkaufswagen, die randvoll mit Leergut gefüllt sind, blockieren zwei Automaten. Wer am Dienstag Mittag mit soviel Leergut dort steht, muss aber ein sehr anstrengendes Wochenende gehabt haben.
Ein Typ steht in der Mitte zwischen den Wagen und reicht die Flaschen genervt an seine Kollegen, die sie einwerfen. Irgendwann expoldiert er „Ey, Altaa! Bist du behindert oder was? Nächste Mal kaufst du Kasten, nich lose!“
Ich muss mich echt beherrschen, um nicht lauthals loszulachen. Es ist so klischeehaft.