Die Welt um mich herum in Fotos und Texten

Kategorie: Arbeit (Seite 25 von 47)

Erlebnisse beim Jobcenter

Die folgende Geschichte ist einem Kollege diese Woche passiert. Ich habe die handelnden Personen und Orte verändert, aber alles so notiert, wie er es erzählt hat.

Der Kollege, nennen wir ihn Dieter, war bis Ende Oktober bei uns in einer Entgeldstelle beschäftigt (d. h. sein kleines Gehalt wird zu 75% vom Jobcenter finanziert). Ab November wurde ihm überraschenderweise ein 1,50€ Job bis Ende des Jahres bei uns bewilligt. Irgendwie hat das Jobcenter jedoch gepennt und zu viel gezahlt. Das Geld fordern sie natürlich zurück und solange wird sein neuer Antrag auf ALG2 nicht bearbeitet.

Also ging er die Tage mit allen Unterlagen zu seinem Sachbearbeiter. „Ja, ähm, da weiß ich jetzt auch nicht. Ich finde Ihre Akte nicht. Warten Sie mal draußen.“
Dieter wartet 30 Minuten brav vor dem Zimmer, um dann zu erfahren, daß seine Akte zur Hauptstelle geschickt wurde, weil ja Forderungen gegen ihn bestehen. „Gehen Sie doch mal dahin, 5. Stock, Zimmer 532. Die können Ihnen helfen.“

Er fährt also, leicht genervt, dorthin und sucht das Zimmer. Aber es ist keine Nummer 532 zu finden, die größte ist 517. Nach einigem Rumgelaufe fragt Dieter einen Mitarbeiter auf dem Flur und erfährt, daß er nur durch einen Nebeneingang zum gewünschten Zimmer gelangt. So muß er die fünf Etagen runter, einmal ums Gebäude, die nächsten fünf Etagen hoch und findet endlich sein Ziel.
Der Sachbearbeiter dort ist sehr freundlich und hilfsbereit und sie klären die Angelegenheit schnell. „Gehen Sie doch jetzt nochmal zu Ihrem Sachbearbeiter und sagen Sie ihm, was wir besprochen haben. Ich schicke Ihre Akte heute noch zurück.“

Dieter macht sich erneut auf den Weg und trifft in der Nebenstelle seinen Sachbearbeiter, der gedankenverloren aus dem Bürofenster starrt. „Haben Sie einen Termin?“ – „Ähm, ich war doch vorhin hier, Sie haben mich zur Klärung zur Hauptstelle geschickt.“ – „Wenn Sie keinen Termin, müssen Sie in der Eingangszone nachfragen.“
Dort sind inzwischen all die Langschläfer erschienen und es ist brechend voll. Da Dieter keine Lust hat, ewig lange zu warten, drängelt er sich bei erstbester Gelegenheit einfach vor. „Aber da müssen Sie mit Ihrem Sachbearbeiter sprechen. Ich kann da nichts machen.“ – „Da war ich gerade, aber er hat gesagt, ich brauche einen neuen Termin.“ – „Dann warten Sie mal draußen.“

Dieter wartet vor dem Zimmer und wird nach 30 Minuten rein gerufen. „Ihr Sachbearbeiter liest sich in die Akte rein und wird Sie heute anrufen.“ – „Aber die Akte liegt doch in der Hauptstelle, da war ich vorhin.“ – „Ihr Sachbearbeiter ruft Sie an, hat er gesagt.“

Gegen 16 Uhr kommt der versprochene Anruf. „Ja, also, ich kann im Moment nichts machen. Ich habe Ihre Akte nicht vorliegen.“ – „Ich weiß, die liegt in der Hauptstelle. Da war ich ja heute morgen und habe die Sache geklärt.“ – „Ich rufe Sie dann morgen an.“

Bei diesem Verhalten der Mitarbeiter im Jobcenter ist es doch nur verständlich, wenn dort Leute ausrasten und mit Äxten, Hämmern oder Benzinkanistern rumtoben.

Das letzte Geleit [Updates]

Heute morgen haben wir unseren lieben Ex-Kollegen Hans zu Grabe getragen. Er ist letzten Sonntag im Alter von nur 53 Jahren gestorben. Unsere Abteilung war mit fünf Kollegen inkl. Chef vertreten.

Die Feier war allerdings recht unbefriedigend:

  • Der Pastor sprach ziemlich leise und hatte zusätzlich einen (englischen?) Akzent.
  • Teilweise sprach er mit dem Rücken zur Trauergemeinde.
  • Er hat ein paar Lebensstationen von Hans aufgezählt, aber kaum etwas zu seinem Leben oder seiner besonderen humorvollen Art gesagt.
  • Die Akustik/Technik in der Kapelle war so schlecht, daß wir wenig verstanden haben.
  • Es wurden nur zwei Lieder gespielt, nichts gesungen.
  • Es lag kein Kondolenzbuch aus.
  • Der Weg zum Grab war länger als die Andacht.

Als wir vom Grab weggingen, meinte der Chef: „Das war ja wohl nichts. Was Hans dazu gesagt hätte?“ und wir haben zustimmend genickt. Es war einfach „kurz und schlecht.“

Wir wissen aber nicht, was und wieviel die Familie vorher mit dem Pastor besprochen hatte oder ob es so genau richtig für sie war. Und das ist in diesem Fall ja die Hauptsache.

Was uns gut gefallen hat, war der Sarg: schlichtes helles Holz mit dunklen Beschlägen. Dazu Blumen in rot/weiß sowie Kränze von der Familie und ein Gesteck von uns.

[Update 1]
Ein Kollege hat jetzt erfahren, daß es ein sogenanntes „Armenbegräbnis“ war. Die Familie lebte in den letzten Jahren von ALG2 und hatte daher keine Bestattungsvorsorge treffen können. Da werden die nötigen Kosten vom Amt übernommen. Und nötig ist wohl nur das billigste und einfachste.

Natürlich kann man nicht auf Kosten der Allgemeinheit eine Riesenfeier abhalten. Aber diese Trauerfeier widersprach allem, was ich bei den vielen Begräbnissen in meiner Familie bisher erlebt habe. Selbst bei so schwierigen finanziellen Verhältnissen muß doch die Würde des Verstorbenen und die Trauer der Hinterbliebenen geachtet werden!

[Update 2]
Vor ein paar Jahren habe ich mal ein Foto von Hans geschossen und mit verschiedenen Aussprüchen von ihm verziert. Nach Rücksprache mit den Kollegen steht nun eines davon bei uns im Büro.

Den Spruch „Ihr seid doch alle bescheuert!“ haben wir oft gehört, wenn Hans mal wieder an seinen Mitarbeitern verzweifelte. Meist haben wir darüber gekichert und nachdem er uns die Sache geschildert hatte, war sein Zorn auch verraucht. Überhaupt konnte er nie lange jemandem böse sein und der Ausdruck „Harte Schale, weicher Kern“ beschreibt ihn am besten.

Er wird in unseren Herzen weiterleben!

Hosenkauf vom Chef

Unser Chef hat einen ungewöhnlichen Jeansgeschmack und ersteigert diese oft für kleines Geld bei eBay. Es sind meist Designerstücke im Gammellock, die er sich dann vom Schneider flicken läßt.

Auch heute kam so ein Teil an, für 15€ ersteigert. Als unser Blick auf das Preisschild fiel, stockte uns der Atem: 450€ für einen Fetzen Stoff, abgeschabt, etliche Löcher drin. „Aber die wurde aus Baumwolle aus ökologischem Anbau hergestellt, auf alten Webstühlen gemacht und auf speziellen Holzpuppen genäht.“

Ja ne, is klar…

 

Zuckerfest [Updates]

Unsere junge muslimische Kollegin hat zur Feier des Tages arabisches Gebäck mitgebracht. Auch wenn es sehr süß und vom Geschmack ungewöhnlich ist, hin und wieder esse ich sowas ganz gerne.

Bearbeitet mit Camera+

Update 1: süß waren nur die gefüllten Dreiecke vorne (mit Honig überzogen) und die hinten versteckten Kekse mit Marmalade. Die Kringel rechts waren recht bröseliger Teig mit Kümmel! Gar nicht meine Welt und die eingepackten Dinger waren etwas geschmacklos und ebenfalls bröselig.

Update 2: Die Kollegin von der Telefonzentrale berichtet von einem Anruf. „Hallo, ich soll heute bei Ihnen anfangen, aber ich kann die nächsten Tage nicht kommen.“ – „Ach ja? Wieso das?“ – „Aber es ist doch Zuckerfest! Da feiern wir drei Tage lang!“

Ich sag‘ mal so, einen guten ersten Eindruck macht das nicht…

Die Mutter und ihr Kind

Heute Mittag kommt eine junge Mutter (so Anfang 20) mit ihrem Frischling auf der Suche nach Möbeln zu uns ins Lager. Das Kind ist ein Wonneproppen mit dicken rosigen Bäckchen, strahlend blauen Augen und lacht jeden vergnügt an.

Die Kollegen, sonst voll die harten Kerls, schmelzen dahin wie Eis in der Sonne. Nach ein paar Minuten verziehen sich aber die ersten und stehen mit leicht angewidertem Gesicht abseits. „Na?“, denke ich, „hat das Kind etwa die Hose voll?“

Etwas später, die Mutter sucht immer noch, umweht mich sogar im Büro der liebliche Duft von vollen Babywindeln. Die Kollegen haben sich inzwischen verzogen und versuchen durch heftiges Rauchen den Mief zu bekämpfen.

Als Nichtraucher bin ich da natürlich im Nachteil. Also mache mich auf die Suche nach der Mutter. „Junge Frau, ich glaube, ihr Sprößling hat die Windel voll gemacht.“
Sie „Ach je, danke.“, stürzt auf den Kinderwagen zu, reißt das Kind raus, bohrt die Nase tiieeef in den Windelpo, inhaliert noch tiiiiiiiiieeeeefer und fragt „Na Schatzi, hast du etwa Kacka gemacht?“

Mir wird kotzübel, die Kollegen stöhnen entsetzt auf und im selben Augenblick blitzt vor meinem geistigen Auge das Gesicht Michael Mittermeiers auf: er hatte so recht mit seinem Sketch! Aber lachen kann ich jetzt nicht darüber…

Da der Gestank sowieso schon in den Räumen hängt und die junge Frau selbstverständlich mit Ersatzwindeln und Reinigungszeugs voll ausgerüstet ist, schaffen wir ihr kurzfristig auf einem alten Tisch eine behelfsmäßige Wickelgelegenheit. Die vollgeschissene Windel wird in einer mehrfach zugeknoteten und dick mit Tesafilm umklebten Mülltüte im Müllcontainer entsorgt. Jetzt noch einige Standventilatoren aufgestellt, die den Mief rauspusten.

Puh, gerettet!

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