Die Welt um mich herum in Fotos und Texten

Kategorie: Arbeit (Seite 25 von 46)

Das letzte Geleit [Updates]

Heute morgen haben wir unseren lieben Ex-Kollegen Hans zu Grabe getragen. Er ist letzten Sonntag im Alter von nur 53 Jahren gestorben. Unsere Abteilung war mit fünf Kollegen inkl. Chef vertreten.

Die Feier war allerdings recht unbefriedigend:

  • Der Pastor sprach ziemlich leise und hatte zusätzlich einen (englischen?) Akzent.
  • Teilweise sprach er mit dem Rücken zur Trauergemeinde.
  • Er hat ein paar Lebensstationen von Hans aufgezählt, aber kaum etwas zu seinem Leben oder seiner besonderen humorvollen Art gesagt.
  • Die Akustik/Technik in der Kapelle war so schlecht, daß wir wenig verstanden haben.
  • Es wurden nur zwei Lieder gespielt, nichts gesungen.
  • Es lag kein Kondolenzbuch aus.
  • Der Weg zum Grab war länger als die Andacht.

Als wir vom Grab weggingen, meinte der Chef: „Das war ja wohl nichts. Was Hans dazu gesagt hätte?“ und wir haben zustimmend genickt. Es war einfach „kurz und schlecht.“

Wir wissen aber nicht, was und wieviel die Familie vorher mit dem Pastor besprochen hatte oder ob es so genau richtig für sie war. Und das ist in diesem Fall ja die Hauptsache.

Was uns gut gefallen hat, war der Sarg: schlichtes helles Holz mit dunklen Beschlägen. Dazu Blumen in rot/weiß sowie Kränze von der Familie und ein Gesteck von uns.

[Update 1]
Ein Kollege hat jetzt erfahren, daß es ein sogenanntes „Armenbegräbnis“ war. Die Familie lebte in den letzten Jahren von ALG2 und hatte daher keine Bestattungsvorsorge treffen können. Da werden die nötigen Kosten vom Amt übernommen. Und nötig ist wohl nur das billigste und einfachste.

Natürlich kann man nicht auf Kosten der Allgemeinheit eine Riesenfeier abhalten. Aber diese Trauerfeier widersprach allem, was ich bei den vielen Begräbnissen in meiner Familie bisher erlebt habe. Selbst bei so schwierigen finanziellen Verhältnissen muß doch die Würde des Verstorbenen und die Trauer der Hinterbliebenen geachtet werden!

[Update 2]
Vor ein paar Jahren habe ich mal ein Foto von Hans geschossen und mit verschiedenen Aussprüchen von ihm verziert. Nach Rücksprache mit den Kollegen steht nun eines davon bei uns im Büro.

Den Spruch „Ihr seid doch alle bescheuert!“ haben wir oft gehört, wenn Hans mal wieder an seinen Mitarbeitern verzweifelte. Meist haben wir darüber gekichert und nachdem er uns die Sache geschildert hatte, war sein Zorn auch verraucht. Überhaupt konnte er nie lange jemandem böse sein und der Ausdruck „Harte Schale, weicher Kern“ beschreibt ihn am besten.

Er wird in unseren Herzen weiterleben!

Hosenkauf vom Chef

Unser Chef hat einen ungewöhnlichen Jeansgeschmack und ersteigert diese oft für kleines Geld bei eBay. Es sind meist Designerstücke im Gammellock, die er sich dann vom Schneider flicken läßt.

Auch heute kam so ein Teil an, für 15€ ersteigert. Als unser Blick auf das Preisschild fiel, stockte uns der Atem: 450€ für einen Fetzen Stoff, abgeschabt, etliche Löcher drin. „Aber die wurde aus Baumwolle aus ökologischem Anbau hergestellt, auf alten Webstühlen gemacht und auf speziellen Holzpuppen genäht.“

Ja ne, is klar…

 

Zuckerfest [Updates]

Unsere junge muslimische Kollegin hat zur Feier des Tages arabisches Gebäck mitgebracht. Auch wenn es sehr süß und vom Geschmack ungewöhnlich ist, hin und wieder esse ich sowas ganz gerne.

Bearbeitet mit Camera+

Update 1: süß waren nur die gefüllten Dreiecke vorne (mit Honig überzogen) und die hinten versteckten Kekse mit Marmalade. Die Kringel rechts waren recht bröseliger Teig mit Kümmel! Gar nicht meine Welt und die eingepackten Dinger waren etwas geschmacklos und ebenfalls bröselig.

Update 2: Die Kollegin von der Telefonzentrale berichtet von einem Anruf. „Hallo, ich soll heute bei Ihnen anfangen, aber ich kann die nächsten Tage nicht kommen.“ – „Ach ja? Wieso das?“ – „Aber es ist doch Zuckerfest! Da feiern wir drei Tage lang!“

Ich sag‘ mal so, einen guten ersten Eindruck macht das nicht…

Die Mutter und ihr Kind

Heute Mittag kommt eine junge Mutter (so Anfang 20) mit ihrem Frischling auf der Suche nach Möbeln zu uns ins Lager. Das Kind ist ein Wonneproppen mit dicken rosigen Bäckchen, strahlend blauen Augen und lacht jeden vergnügt an.

Die Kollegen, sonst voll die harten Kerls, schmelzen dahin wie Eis in der Sonne. Nach ein paar Minuten verziehen sich aber die ersten und stehen mit leicht angewidertem Gesicht abseits. „Na?“, denke ich, „hat das Kind etwa die Hose voll?“

Etwas später, die Mutter sucht immer noch, umweht mich sogar im Büro der liebliche Duft von vollen Babywindeln. Die Kollegen haben sich inzwischen verzogen und versuchen durch heftiges Rauchen den Mief zu bekämpfen.

Als Nichtraucher bin ich da natürlich im Nachteil. Also mache mich auf die Suche nach der Mutter. „Junge Frau, ich glaube, ihr Sprößling hat die Windel voll gemacht.“
Sie „Ach je, danke.“, stürzt auf den Kinderwagen zu, reißt das Kind raus, bohrt die Nase tiieeef in den Windelpo, inhaliert noch tiiiiiiiiieeeeefer und fragt „Na Schatzi, hast du etwa Kacka gemacht?“

Mir wird kotzübel, die Kollegen stöhnen entsetzt auf und im selben Augenblick blitzt vor meinem geistigen Auge das Gesicht Michael Mittermeiers auf: er hatte so recht mit seinem Sketch! Aber lachen kann ich jetzt nicht darüber…

Da der Gestank sowieso schon in den Räumen hängt und die junge Frau selbstverständlich mit Ersatzwindeln und Reinigungszeugs voll ausgerüstet ist, schaffen wir ihr kurzfristig auf einem alten Tisch eine behelfsmäßige Wickelgelegenheit. Die vollgeschissene Windel wird in einer mehrfach zugeknoteten und dick mit Tesafilm umklebten Mülltüte im Müllcontainer entsorgt. Jetzt noch einige Standventilatoren aufgestellt, die den Mief rauspusten.

Puh, gerettet!

Info für die neue Kollegin (auch wenn sie es nicht liest)

Wenn man seit dem ersten Tag in der neuen Firma die ganze Zeit am PC hängt und auf Facebook chattet…
Wenn der Chef einen mehrfach darauf hinweist, daß man sich nicht immer auf dort rumtreiben, sondern mitarbeiten, zuhören und lernen soll…
Wenn die Kollegen nach ein paar Tagen einen "No Facebook" Hintergrund auf dem PC installieren…
Wenn man öfters vergißt, sich beim Arbeitsende bei Facebook abzumelden…
Wenn man trotz gegenteiliger Anweisung, mittags nach Hause geht…

Wenn man all das (und noch ein paar Sachen mehr) macht, darf man sich nicht wundern, wenn man nach nur drei Wochen in eine andere Abteilung abgeschoben wird.

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