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Die Welt um mich herum in Fotos und Texten

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M(k)ein Internetz von A – Z

Durch Zufall bin ich über ein Blog* auf diese Idee gestoßen: Man soll in die Adresszeile des Browsers die Buchstaben des Alphabets eintippen und jedesmal dem ersten Link folgen. Der Browser schlägt nämlich häufig besuchte Webseiten vor, die zu dem Buchstaben passen.

Eine Suche im Netz brachte eine ganze Reihe Blogs, die nach dieser Methode eine Liste erstellt haben. Der älteste Eintrag war aus dem Jahr 2004*.

Allerdings funktioniert das bei mir nicht wie erwartet: ich kriege nur Einträge aus meinen Lesezeichen angezeigt. Der Grund ist ganz simpel: strengeren Datenschutzeinstellungen und das Löschen von Verlauf, Cookies und Cache beim Beenden des Browser. Außerdem verwende ich Startpage als Suchmaschine und dort wird nichts gespeichert.

Im Jahr 2 nach Snowden sollte das der Mindeststandard beim Nutzen des Internetz sein. Und selbst dann werden ja noch genug Daten abgegriffen.

*Link gelöscht, da die Webseite nicht mehr existiert.

Stromausfall, mal wieder

Samstag abend sitzen wir gemütlich beim Fernsehen, als plötzlich der Strom ausgeht.

Eine wunderbare Gelegenheit für ein bißchen romantische Stimmung zu sorgen.

Nach einer guten Stunde kommt der Strom wieder und der Zauber ist verflogen.

 

Beobachtungen im Wartezimmer

Eine ältere Dame betritt die Praxis. Die langen grauen Haare zum Zopf gebunden, gekleidet in ein graues, gestricktes Dreiecks-Cape, darunter ein dunkellila Pullover, etwas hellere Armstulpen und Loopschal. Ihr grauer Strickrock endet etwa zwei Handbreit über den Knien, die Beine stecken in einer dunkelrot/schwarzen Strumpfhose, die über den Knöcheln von grauen Häkelstulpen überdeckt wird.
Sie setzt sich anmutig auf einen Stuhl, schlägt die Beine übereinander und wippt die ganze Zeit so kräftig mit dem linken Fuß, daß das frei hängende rechte Bein weit ausschwingt.
Ihrer Haltung und den Bewegungen nach könnte sie Ballettänzerin sein.

In der Ecke stehen drei junge Burschen, etwa 17/18 Jahre alt und unterhalten sich halblaut in einer fremden Sprache. Einige Worte klingen italienisch, dann wieder ist es ganz unbekannt, aber immer sehr angenehm anzuhören.

Eine Mutter mit erwachsenem Sohn geht vorbei. Der junge Mann leidet unter spastischer Lähmung, geht angestrengt auf den Zehenspitzen und gibt die ganze Zeit quitschende oder gurgelnde Laute von sich. Er trägt eine verwaschene Jeans und rot/silberne Sneaker. 

Ein junges Mädchen bittet wortreich um einen Termin, setzt sich und noch bevor sie den Stuhl berührt, hat sie ihr Smartphone in der Hand. Deutlich sieht man, daß das Display gebrochen ist. Bis sie zum Arzt reingerufen wird, legt sie das Gerät nicht aus der Hand und starrt gebannt darauf.

Früher war alles besser!

Diese Spruch, in meiner Jugend von älteren Menschen mit Nachdruck und Vorwurf gerne ausgesprochen, hat mich immer genervt. Ich fand die Welt, in der ich lebte, ganz toll so wie sie war.

Heute merke ich, daß mir der Satz auch manchmal in den Kopf kommt. Und dann beiße ich mir auf die Zunge, um ihn nicht laut rauszuposaunen. 
Ich glaube nämlich nicht, daß früher grundsätzlich alles besser war. Es ist wohl eher so, daß man in der Jugend einen engeren Horizont und naturgemäß weniger Erfahrungen hat. Nach der Schulzeit ändert sich das nach und nach. Einige wichtige Erlebnisse, die mein weiteres Leben prägten, hatte ich im Alter zwischen 16 und 25 Jahren: das erste Mal Hard Rock hören, der erste Kuß, der Tod geliebter Menschen und einiges mehr.

Im Nachhinein ist die Aussage „früher war alles besser“ teilweise richtig, weil ich in dieser Zeit viele Dinge gelernt und wichtige Erfahrungen gemacht habe. 

Aber was spricht dagegen, auch heute Neues zu lernen und neue Erfahrungen zu machen? Warum fällt mir das schwer? Könnte es sein, daß ich durch die alltägliche Routine zu sehr abgelenkt bin? Daß mir die Sicht auf und das Empfinden für Neues versperrt ist?

Könnte es sein, daß das Leben, das man als junger Mensch ja erst erfahren und erfüllen muß, in späteren Jahren deswegen schlechter erscheint, weil man oft vorher weiß, wie Sachen ablaufen oder wie Menschen reagieren werden? Daß man die Unbekümmertheit der Jugend verloren hat und deswegen frustriert ist? 

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