Die Welt um mich herum in Fotos und Texten

Kategorie: Bücher (Seite 8 von 11)

Buch: Alte Geschichten in neuem Gewand

Damals(TM), in der Zeit vor Twitter und Facebook trieben wir uns in Foren und Newsgroups rum, um Gedanken auszutauschen. Eine dieser unzähligen Gruppen gab es auch zur SF-Serie Babylon 5. Und dort langweilten sich die Fans in der Pause zwischen zwei Staffelausstrahlungen Ende 1997.

Plötzlich geschah es: im September postete jemand einen kurzen Text über die Serie, in dem er die Namen der handelnden Personen verdrehte und ihnen Gewalt-, Alkohol- und Drogenexzesse sowie ausschweifende sexuelle Betätigungen zu schrieb.

Dies kam so gut an, daß im Anschluß von verschiedenen Leuten über einen Zeitraum von vier Wochen eine umfangreiche Parodie entstand, die unter dem Titel „Das Sommerloch“ zum Renner in der Newsgroup wurde.
Anfang 1998 ging es unter dem Titel „Das Mittwinterloch“ weiter, diesmal vier Monate lang und in doppelt so großem Umfang. Ein Jahr später gab es noch ähnliche Bearbeitungen der ersten drei Babylon 5 Fernsehfilme.

Ich hatte damals alles gespeichert und irgendwann in Word Dokumente umgearbeitet. Die Dateien flogen seitdem auf allen Rechnern und ihren Festplatten rum, bis ich vor einiger Zeit überlegte, daraus ein Buch zu machen. Selbst im digitalen Zeitalter geht doch nichts über ein echtes Buch!
Gesagt, getan. Wobei das „getan“ sich schon über 2-3 Wochen hinzog. Alles in eine Datei packen, Formatierung vereinheitlichen, Fehler korrigieren, nochmal lesen, nochmal Fehler verbessern, usw.

Und hier ist das Teil: 438 Seiten, Hardcover, Format 15 x 22 cm.

Den Preis finde ich mit knapp 20 Euro für die gebotene Leistung absolut angemessen. Hergestellt habe ich es über Lulu.com, einen Print-on-Demand Dienst, der mir umfangreiche Bearbeitungs- und Gestaltungsmöglichkeiten für mein Buch bietet.

Das Buch ist professionell gemacht und könnte so auch im Laden stehen. Ein paar kleine Macken (Ecken des Umschlags stehen minimal über, Innenseite der Rückseite wurde nicht vollständig verklebt) schreibe ich der maschinellen Herstellung bzw. etwas nachlässiger Endkontrolle zu und habe es schnell selbst behoben.

Da ich nicht alle Autoren von damals erreicht habe und ihre Zustimmung zur Veröffentlichung einholen konnte, ist das Buch nicht frei verkäuflich.

Buchkritik: Serenity von Christine Wunnicke

Am Wochenende habe ich mal wieder ein Buch gelesen. Und ja, ich habe es in einem Zug durchgelesen!

Christine Wunnicke erzählt die Geschichte des älteren Bibliothekars Rüdiger Varendorf, der in einer festgefügten Welt lebt: geschieden, erwachsener Sohn, Arbeitsstelle ohne große Ansprüche, freitags Treffen inkl. Sex mit der Freundin, jahrelang an seiner philosophischen Habilitation schreibend.

Plötzlich wird seine festgefügte Welt durcheinander gebracht, als ihm sein Assistent einen PC zusammen schraubt und ihn dadurch mit dem Internet verbindet. Auf der Suche nach philosophisch Interessierten landet Varendorf nach kurzer Zeit auf Blogs von amerikanischen Teenagern, die dort ihre Selbstzweifeln und chaotischen Gedanken ausbreiten.

Fasziniert von dieser ihm völlig unbekannten Seelenwelt, legt er sich eine virtuelle Existenz zu (Serenity, ein weiblicher deutscher Teenager), um mit den Blogschreibern in Kontakt zu kommen. Und schnell verliert er sich in den Untiefen jugendlicher Seelenqualen und Existenznöten.

Was mich an diesem Buch so gefesselt hat, ist, daß ich Ähnliches vor Jahren selbst erlebt habe: irgendwann stieß ich auf solche Blogs und war ebenso wie Wunnickes Held fasziniert von den dort geschilderten Lebensgeschichten.

Nur habe ich mich immer gefragt, warum schreiben die Leute das? Haben die niemanden, mit dem sie ein persönliches Gespräch führen können? Und wen interessiert so was? Ist das alles echt, sind es eingebildete Probleme oder vielleicht sogar ausgedachte Geschichten?

Ich gebe dem Buch eine klare Leseempfehlung: es ist spannend geschrieben, die Geschichte ist nachvollziehbar und der leicht tragische Held Varendorf eine sympathische Gestalt.

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Kundenbindung

Wie bereits geschrieben, bin ich durch Zufall auf Petra van Cronenburg und ihr Schaffen gestoßen. Nun könnte man sagen „Mann, die Alte schafft sich mit ihrem Blog echt einen ab. Kaufe ich ihr Pamphlet halt aus Mitleid.“
Aber nein! Erstmal sind 15€ aus Mitleid zuviel Geld und sowieso wäre das der völlig falsche Grund. Ein guter Grund ist für mich die Möglichkeit, ein signiertes Exemplar abzugreifen.

Allerdings ist der Weg ins Elsaß nicht mal eben so gemacht und man möchte die Künstlerin ja auch nicht in ihrem Schaffen stören. Und da hat Petra einen genialen Ausweg gefunden: fernsignieren. Sie hat sich Aufkleber passend zum Buch anfertigen lassen, die sie signiert und per Post verschickt.

Aaaaaber, nicht mal so eben „Komm, tu mich ma son Teil.“ Nein, man muß schon was dafür leisten. Ich wurde für „Buntbärs Buchkritik“ belohnt und nun ziert der Aufkleber mein Nijinsky Exemplar. 🙂 Das nenne ich Kundenbindung!

 

Loriots Erbe

Die Nachricht von Loriots Tod hat mich sehr überrascht und betroffen gemacht. Ich bin nun nicht der große Nachrufschreiber. Das haben gestern ja auch viele ausführlich gemacht. Aber ich will ihm auch die Ehre erweisen und mich für alles bedanken, was er uns gegeben hat.

Loriot ist bei uns immer mitten im Alltag. Es gibt oft nichts besseres als seine Sprüche zu nutzen: „Ach, was?“, „Ich möchte einfach nur sitzen“, „Früher war mehr Lametta“ oder „Nun sei doch mal gemütlich.“ Oft gab es durch diese Sprüche großes Gelächter in der Familie, weil eben jeder wußte, worum es ging. Und der „Nudeleffekt“ kann meine Frau wahnsinnig machen!

Vor fast genau 30 Jahren habe ich von meinen Eltern eine Ausgabe von Loriots „Dramatische Werken“ geschenkt gekriegt und meine Mutter hatte das Glück, daß Loriot und Evelyn Hamann zu der Zeit vor Ort waren und Bücher signiert haben. Ein Schatz, schon etwas vergilbt, aber unbezahlbar!

Buntbärs Buchkritik: Petra van Cronenburg, Nijinsky

Irgendwann bin ich bei/über Twitter auf Petra van Cronenburg und ihr Blog gestoßen. Die Frau schreibt interessant, amüsant und kann vor allem auch über sich selbst lachen (Der im Text zitierte Nerd war übrigens ich.)

Sie arbeitet als Autorin, Texterin und Übersetzerin (Französisch, Polnisch, Italienisch) und lebt im Elsaß.

Eines Tages fing Madame (wie sie sich manchmal selbst nennt) an, verstärkt über ihr neues Buchprojekt zu berichten: irgendwas mit Ballett. Nun ist Tanzen für mich mit dem Deutschen Fernsehballett (Hiiilfeee!), Schwanensee (seltsames Rumgehopse), Pina Bausch (grauslich!) und Detlef D! Soost (Pamm! Pamm! Pamm!) eher negativ belegt. In der Popmusik wird ja allgemein nur zu gerne durch aufwändige Tanzdarbietungen („Choreo“, wie man neudeutsch sagt) von mangelhafter Musik abgelenkt. Die Einzigen, bei denen eine Choreografie cool aussieht, sind ZZ Top!

So dachte ich, wer schon bei den verrückten Franzosen wohnt, aus unverständlichen Sprachen übersetzt und dann noch über’s Tanzen schreibt, das kann ja nix werden.

Mit der Zeit wurden Petras Posts zum Buch mehr, sie verwies auf ihr spezielles Blog zum Thema und ich habe dort mal nachgelesen. Allerdings war mir unverständlich, wen ein russischer Tänzer interessiert, der schon Jahrzehnte tot ist. Und kennt überhaupt jemand diesen Nijinsky?

Um es kurz zu machen: Madame hat mich beeindruckt mit ihren Berichten über die Entstehung des Buches, wie sie Fotos und den richtigen Einband dafür suchte, Korrektur las, Stellen änderte und ergänzte, manches Mal verzweifelte und dann wieder neuen Mut fand. Und jetzt darf ich mich zu einem der ersten Käufer ihres Buches zählen!

Das Buch wird nach dem Prinzip „Books on Demand“ erst nach der Bestellung hergestellt, deswegen dauerte die Lieferung etwas länger. Wer jetzt ein billig zusammengekleistertes Machwerk erwartet, wird angenehm überrascht: es ist ein ordentlich produziertes Buch mit Hardcover-Einband, einer Farb- und 21 schwarz-weiß Abbildungen. Allerdings finde ich die Schrift etwas zu klein, für meine altersschwachen Augen könnte sie 2 Pixel größer sein.

Bis jetzt habe ich das Buch nur teilweise gelesen. Der Stil erinnert mich etwas an ZDF History mit Guido Knopp, was dem Thema sehr gut steht. Der Verlag bezeichnet das Buch als Biografie; es ist meiner Meinung nach aber keine, weil die Autorin sich nicht mit Lebensdaten und -orten beschäftigt, sondern eindringlich Nijinskys Kunst und Wirkung auf seine Mitmenschen beschreibt.

Leider gibt es von Nijinsky keine Fotos oder Filmaufnahmen aus Vorstellungen; sein Manager es nicht erlaubte. Das Publikum sollte sein Können nur vor Ort, direkt im Theater erleben können. Trotzdem gelingt es der Autorin, das Besondere und Revolutionäre an Nijinskys Tanzkunst so bildhaft zu schildern, daß ich es mir sehr gut vorstellen kann.

Abgerundet wird das Buch von ausführlichen Interviews mit dem Choreografen Ralf Rossa und dem Kurator der Prinzhorn-Ausstellung Michael Braunsteiner.

Abschließend muß ich sagen, daß das Buch meine Einstellung zu Tanz und Ballett nicht geändert hat, was wohl auch nicht Absicht der Autorin ist. Aber ich habe dadurch einen Menschen kennen gelernt, der wie so viele vor und nach ihm, sein Leben der Kunst gewidmet und diese zu neuen Ufern geführt hat, auch gegen das Unverständnis mancher Zeitgenossen.

Ich vergebe für dieses Buch eine klare Kaufempfehlung an alle, die sich für Ballett interessieren.

Korrektur am 29.07.2011: Petra übersetzt nur aus dem Französischen ins Deutsche

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