Heute morgen habe ich die Nachricht gekriegt, daß mein gestriger PCR Test beim Hausarzt positiv ist.
Tja, und nun sitze ich hier und harre der Dinge, die kommen.
Wobei die angeordnete Quarantäne für 10 Tage erstmal nicht das Problem ist: mit Husten, Schnupfen, Kopf- und Gliederschmerzen habe ich sowieso kein gesteigertes Interesse daran, um die Häuser zu ziehen.
Ich bin in der Küche und mache, was ein Mann in der Küche so macht, als das Telefon klingelt.
Ein kurzer Sprint ins Wohnzimmer „Ich hasse Telefone! Wo ist denn jetzt schon wieder das verdammte Ding?“. Der Blick auf das Display zeigt mir eine unbekannte Handynummer: 0163… Hm…
„Ja?“ belle ich in den Hörer. Schweigen am anderen Ende, Geraschel und ferne Stimmen.
Ich will schon entnervt „Hallo? Wer ist da?“ brüllen, da nölt mir eine unangenehme Frauenstimme ins Ohr „Haaaiiiiii! Hier Melanie Laaang von Bloomberg Inveeest. Spreche ich mit Herrn Martiiiin?“
Na toll! Ein Spam Anruf! Wie ich mich darauf gefreut habe. „Boah, Alte“, denke ich, „halt die Fresse!“
Vor meinem geistigen Auge sehe ich eine auftoupierte Blondine, Kaugummi kauend, mit langen rot lackierten Fingernägeln lässig an einem Schreibtisch lehnen.
Bevor ich unhöflich werde, grunze ich ein wütendes „Schönen Tag noch!“ in den Hörer und lege auf.
Mit solchem Blödsinn soll ich mich am heiligen Samstag Vormittag herumärgern? Also wirklich!
Eben klingelt es an der Tür und über die Gegensprechanlage antwortet mir jemand „Ich habe ein Paket für Ihre Frau.“
„Hm, so höflich ist doch kein Paketbote, das kann ja nur ein Nachbar sein“, drücke auf und tatsächlich tänzelt ein Mann mittleren Alters in T-Shirt, kurzer Hose und Baseballkappe auf dem Kopf die Treppe herunter.
Heute gab es die 2. Spritze. Nachdem vorher ein paar Unklarheiten wegen Ort und Zeit bestanden, erhielt ich letzte Woche ein Email mit den nötigen Unterlagen und der freudigen Mitteilung, daß ich wieder ins örtliche Impfzentrum kommen darf.
Diesmal war es etwas voller und der Ablauf deutlich bürokratischer:
Kontrolle an der Einfahrt zum Gelände
Kontrolle vor dem Parkplatz „Haben Sie Ihre Impfeinladung dabei?“, dann Einweisung zum Parken vom nächsten Security Mann
Kontrolle vor dem Impfzelt „Bitte einmal hier die Hände desinfizieren.“
Kontrolle inkl. Personalausweis direkt am Eingang, ein paar Schritte weiter wird meine Temperatur gemessen, Frage nach dem werten Befinden und Zutrittserlaubnis
Das Impfzentrum ist gegenüber meinem ersten Besuch umgestaltet worden: nach dem Eingangsbereich kommen 10-15 Schreibtische, die sich an beiden Wänden des Zeltes gegenüberstehen. Dort sitzen Mitarbeiter hinter Plexiglasabtrennungen an Computern.
Erneute Kontrolle meiner Impfunterlagen und des Personalausweis sowie Eingabe meiner Daten in einen PC „Sie haben beim letzten Mal Astra gekriegt. Sind Sie schon über 60?“ – „Ja, 63.“ – „Ok, dann kriegen Sie wieder Astra.“
Der freundlich Mann geleitet mich zu einer weiteren Mitarbeiterin „Der Herr kriegt Astra“, sie tippt etwas auf einem Touchscreen ein und gibt mir einen Ausdruck. „Bitte warten Sie hier nebenan.“
Im Warteraum sitze ich mit einigen älteren Herrschaften zusammen. Auf einem großen Bildschirm läuft in Endlosschleife ein Aufklärungsfilm des Gesundheitsministeriums zum Impfablauf. Über allem liegt lautes Stimmengewirr, Schritte, Knarren des Holzbodens und ein undefinierbares Geklapper.
Alle paar Sekunden kommt ein Mitarbeiter hinter einer Abtrennung hervor und ruft eine Nummer „B102, B103, B104…“, worauf sich eine der Herrschaften erhebt und hinter dem Mann hertrottet. Da es alles deutlich über 70 Jahre sind, folgere ich messerscharf, daß sie mit Biontech geimpft werden. Die schnöde A9 auf meinem Zettel steht dann für AsteaZeneca und der neunte Empfänger heute.
Als ich endlich dran bin, kontrolliert der Impfarzt nochmal meine Unterlagen, fragt wie ich die letzte Impfung vertragen habe und schon steckt die Spritze in meinem Arm.