Die Welt um mich herum in Fotos und Texten

Kategorie: Allgemein (Seite 10 von 36)

Die Impfung, Teil 4

Als ich Anfang März geimpft wurde, sagte mir der Arzt, daß sich der zweite Termin um drei Wochen nach hinten verschieben würde und ich mich deswegen mal bei der Stadt erkundigen solle.

Da die Impfhotline allgemein sehr schlecht erreichbar ist, habe ich es zur Kenntnis genommen und mich nicht darum gekümmert. „Wenn die was von mir wollen, sollen sie sich halt melden.“ Und tatsächlich erhielt ich Ende März ein Mail mit dem neuen Termin. „Na bitte, geht doch!“ dachte ich.

Vor vier Wochen hörte mein Frau dann im Lokalradio, daß Zweitimpfungen nicht mehr im Impfzentrum verabreicht werden, sondern von bestimmten niedergelassenen Ärzten. Die Webseite der Stadt erklärte allerdings, daß es nur für Personen unter 60 Jahren gelte, für über 60 jährige solle sich nichts ändern.

Vor drei Wochen hieß es, daß jetzt auch Personen über 60 für die Zweitimpfung zu einem niedergelassenen Arzt müssen. Dieser würde sich per Email melden.

Da meine Zweitimpfung inzwischen nur noch zwei Wochen entfernt ist und ich immer noch keine Info habe, wo und wann ich erscheinen soll, habe ich heute nochmal auf der Webseite der Stadt nachgesehen. Und da stand, daß ab Juni Personen über 60 Jahre doch wieder im Impfzentrum die zweite Spritze kriegen. Hoffentlich bleibt es jetzt dabei!

Fazit: Chaos ist noch eine milde Umschreibung…

1. Mai 1921

Heute wäre Vater 100 Jahre alt geworden. Er wollte damit seine Tante einholen, die kurz vor ihrem 101. Geburtstag gestorben war. Leider hat er sein Ziel nicht erreicht.

Geboren und aufgewachsen zwischen den Weltkriegen, hat er wohl eine gute Kindheit gehabt. Zusammen mit vier Schwestern, den Eltern und seiner geliebten Großmutter wuchs er am Rande der Großstadt auf.

Natürlich haben die Jungs auch damals schon viel Unfug getrieben. Und einmal ist Vater gegen die ausdrückliche Anweisungen seiner Mutter über eine Mauer geklettert oder darauf balanciert, hat dabei das Gleichgewicht verloren und ist gefallen.
Da er den Zorn der Mutter fürchtete, hat er nichts gesagt und seine Schmerzen runtergeschluckt. Der Erfolg war, daß er durch dieser Verletzung bis zu seinem Lebensende immer mal wieder Probleme mit dem Knie hatte.
Deswegen hat er uns Kindern später beigebracht, egal welchen Blödsinn wir angestellt hatten, wir konnten jederzeit alles ohne Angst vor Strafe den Eltern beichten.

Der größte Einschnitt in seinem Leben war sicher der Einzug zum Militär mit Anfang Zwanzig. Er erlebte dort Kameradschaft, Zusammenhalt und die Schrecken des Krieges. Nach Ausbildung zum Flak-Schützen ging es über Italien und Jugoslawien bis nach Griechenland. Er hat nicht so viel über die Zeit gesprochen, doch einige Erlebnisse ließen ihn nicht los und er hat mir im Laufe der Jahre davon erzählt.

So wurde auf dem Weg durch Jugoslawien ein Fahrzeug seines Konvoi durch einen Sprengfalle beschädigt. Der Wagen wurde zur Reparatur ins nächste Dorf geschleppt und die SA erfuhr von dem Vorfall.
Sie trieben ein paar Bewohner zusammen, die Vater und seine Kameraden bewachen mußte. Es waren einfache Leute, Bauern, die unter den Folgen des Krieges litten. Durch Vaters „Unachtsamkeit“ entkamen zwei dieser Leute und die Truppe erhielt eine Standpauke eines SA Offiziers. Man holte Ersatz und später erfuhren sie, daß man die Menschen zur Abschreckung und Vergeltung für den Schaden aufgehängt hatte.

Kurz vor Ende des Krieges, lagen sie in Griechenland 24 Stunden unter russischem Beschuss. Die versprochene Hilfe kam nicht und etliche von Vaters Kammeraden starben an diesem Tag.

Diese und ähnliche Erlebnisse machten aus ihm einen überzeugten Pazifisten und er engagierte sich in der Gemeinde und bei der Telefonseelsorge.

Vater hatte eine einzigartige Gabe: unter seinen Händen erwachten defekte Kleingeräte (Wanduhren, Kassettenrekorder, Radios, und ähnliches) wieder zum Leben. Oft sahen die Sachen etwas anders aus als vorher, hatten zusätzliche Schalter, Buchsen oder Anschlüsse für Batterien, aber sie funktionierten perfekt und jahrelang weiter.

So haben wir Kinder gelernt, daß man seine Sachen pfleglich behandelt und schätzt und kaputte Dinge nicht direkt weggeworfen werden müssen, sondern man sich erstmal um eine Reparatur bemüht.

Sein ganzes Leben war Vater aktiv, pflegte den Garten, reparierte im und am Haus viele Sachen. Auch als Rentner legte er die Hände nicht in den Schoß: er lernte Funken mit allen dazu gehörenden Lizenzen und begann sich in die Welt der Computer einzuarbeiten.

Daneben waren Vater und Mutter viel auf Reisen: Griechenland, Frankreich, Schweiz, Kreta und viele Orte in Deutschland waren ihre Ziele. Und als Mitglieder bei den Naturfreunden legten sie manchen Kilometer zurück.

Auch wenn er in den letzten Jahren durch Mutters Krankheit und vor allem nach ihrem Tod langsam seinen Lebensmut verlor, kann man mit Recht sagen, daß mein Vater ein erfülltes Leben hatte.

Die Impfung, Teil 3

Nebenwirkungen:

Gut 1h nach der Spritze bekam ich leichte Kopfschmerzen und wurde recht müde. Da ich mir den Tag frei genommen hatte, konnte ich einfach auf dem Sofa vor mich hindösen.

Ca. 12-13h später waren die Kopfschmerzen weg, dafür hatte ich eiskalte Hände und Füße und kriegte etwas Schüttelfrost. Ich bin dann ins Bett und auch recht schnell eingeschlafen.

Gegen 3 Uhr nachts wachte ich mit heißen Händen und Füßen auf, wunderte mich über diesen seltsamen Temperaturwechsel und schlief bald wieder ein.

Pünktlich um 7:30 Uhr weckte mich Pebbles. Die Katzen sind recht gnadenlos, wenn sie ihr Fressen wollen. Da zählen keine Krankheit oder Gebrechen, der Napf muss gefüllt werden!

Während ich verschlafen in die Küche wankte, überlegte ich, ob ich wieder arbeitsfähig war. Ein leichtes Schwindelgefühl und bleierne Müdigkeit überzeugten mich vom Gegenteil. So informiert ich kurz den Chef und die Kollegen und kroch zurück ins Bett.

Als ich nachmittags wieder wach wurde, hatte ich insgesamt 13 Stunden geschlafen, fühlte mich besser und konnte am nächsten Tag wieder arbeiten gehen.

Fazit: 2 Wochen grippaler Infekt in 2 Tag gepresst ist schon sehr blöd, aber es ist ja für einen guten Zweck. Von daher würde ich es jederzeit wieder machen, hoffe bei der 2. Spritze aber auf weniger Nebenwirkungen.

Nachbemerkung: meiner persönlichen und total unrepräsentativen Umfrage in der Firma zufolge, vertragen Männer die Impfung schlechter und leiden etwa 2-3 Tage unter mehr oder weniger starken Symptomen.

Frauen haben nur schwache Symptome, arbeiten weiter bzw. erscheinen am nächsten Tag ganz normal zur Arbeit.

Die Impfung, Teil 2

Nachdem in den letzten Tage einige Kollegen schon geimpft wurden und über mehr oder weniger heftige Nebenwirkungen berichteten, war heute mein Impftag.

Das örtliche Impfzentrum liegt auf einem ehemaligen Kasernengelände und am Eingang ist immer noch ein großes Tor. Dort stand in Wind und Kälte ein Sicherheitsmann.

„Guten Morgen. Haben Sie einen Impftermin?“
„Ja.“
„Dann fahren Sie immer geradeaus.“
„Danke.“
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Die Impfung, Teil 1

Heute nachmittag herrschte plötzlich Aufregung in der Firma „Wir können uns eher impfen lassen!“

Telefonate gingen hin und her, über das Intranet wurden Dokumente ausgetauscht, die Informationen zum geänderten Status unserer Impfberechtigung und eine Bestätigung des Arbeitgebers enthielten.

Mein Chef griff sich das Telefon und rief bei der städtischen Hotline an, um Impftermine für uns zu vereinbaren. Dann hing er eine geschlagene Stunde in der Warteschleife. Mit der üblichen nervigen Dudelmusik im Ohr, die ja nur zu dem Zweck existiert, einen in den Wahnsinn zu treiben.

Kurz bevor das geschah, kam er endlich durch und hatte in wenigen Minuten die gewünschten Termine.

Und so darf ich nächsten Dienstag im örtlichen Impfzentrum vorsprechen und mir den Chip von Bill Gates einpflanzen lassen.

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