Die Welt um mich herum in Fotos und Texten

Autor: Martin (Seite 184 von 279)

Buch: Alte Geschichten in neuem Gewand

Damals(TM), in der Zeit vor Twitter und Facebook trieben wir uns in Foren und Newsgroups rum, um Gedanken auszutauschen. Eine dieser unzähligen Gruppen gab es auch zur SF-Serie Babylon 5. Und dort langweilten sich die Fans in der Pause zwischen zwei Staffelausstrahlungen Ende 1997.

Plötzlich geschah es: im September postete jemand einen kurzen Text über die Serie, in dem er die Namen der handelnden Personen verdrehte und ihnen Gewalt-, Alkohol- und Drogenexzesse sowie ausschweifende sexuelle Betätigungen zu schrieb.

Dies kam so gut an, daß im Anschluß von verschiedenen Leuten über einen Zeitraum von vier Wochen eine umfangreiche Parodie entstand, die unter dem Titel „Das Sommerloch“ zum Renner in der Newsgroup wurde.
Anfang 1998 ging es unter dem Titel „Das Mittwinterloch“ weiter, diesmal vier Monate lang und in doppelt so großem Umfang. Ein Jahr später gab es noch ähnliche Bearbeitungen der ersten drei Babylon 5 Fernsehfilme.

Ich hatte damals alles gespeichert und irgendwann in Word Dokumente umgearbeitet. Die Dateien flogen seitdem auf allen Rechnern und ihren Festplatten rum, bis ich vor einiger Zeit überlegte, daraus ein Buch zu machen. Selbst im digitalen Zeitalter geht doch nichts über ein echtes Buch!
Gesagt, getan. Wobei das „getan“ sich schon über 2-3 Wochen hinzog. Alles in eine Datei packen, Formatierung vereinheitlichen, Fehler korrigieren, nochmal lesen, nochmal Fehler verbessern, usw.

Und hier ist das Teil: 438 Seiten, Hardcover, Format 15 x 22 cm.

Den Preis finde ich mit knapp 20 Euro für die gebotene Leistung absolut angemessen. Hergestellt habe ich es über Lulu.com, einen Print-on-Demand Dienst, der mir umfangreiche Bearbeitungs- und Gestaltungsmöglichkeiten für mein Buch bietet.

Das Buch ist professionell gemacht und könnte so auch im Laden stehen. Ein paar kleine Macken (Ecken des Umschlags stehen minimal über, Innenseite der Rückseite wurde nicht vollständig verklebt) schreibe ich der maschinellen Herstellung bzw. etwas nachlässiger Endkontrolle zu und habe es schnell selbst behoben.

Da ich nicht alle Autoren von damals erreicht habe und ihre Zustimmung zur Veröffentlichung einholen konnte, ist das Buch nicht frei verkäuflich.

Buchkritik: Serenity von Christine Wunnicke

Am Wochenende habe ich mal wieder ein Buch gelesen. Und ja, ich habe es in einem Zug durchgelesen!

Christine Wunnicke erzählt die Geschichte des älteren Bibliothekars Rüdiger Varendorf, der in einer festgefügten Welt lebt: geschieden, erwachsener Sohn, Arbeitsstelle ohne große Ansprüche, freitags Treffen inkl. Sex mit der Freundin, jahrelang an seiner philosophischen Habilitation schreibend.

Plötzlich wird seine festgefügte Welt durcheinander gebracht, als ihm sein Assistent einen PC zusammen schraubt und ihn dadurch mit dem Internet verbindet. Auf der Suche nach philosophisch Interessierten landet Varendorf nach kurzer Zeit auf Blogs von amerikanischen Teenagern, die dort ihre Selbstzweifeln und chaotischen Gedanken ausbreiten.

Fasziniert von dieser ihm völlig unbekannten Seelenwelt, legt er sich eine virtuelle Existenz zu (Serenity, ein weiblicher deutscher Teenager), um mit den Blogschreibern in Kontakt zu kommen. Und schnell verliert er sich in den Untiefen jugendlicher Seelenqualen und Existenznöten.

Was mich an diesem Buch so gefesselt hat, ist, daß ich Ähnliches vor Jahren selbst erlebt habe: irgendwann stieß ich auf solche Blogs und war ebenso wie Wunnickes Held fasziniert von den dort geschilderten Lebensgeschichten.

Nur habe ich mich immer gefragt, warum schreiben die Leute das? Haben die niemanden, mit dem sie ein persönliches Gespräch führen können? Und wen interessiert so was? Ist das alles echt, sind es eingebildete Probleme oder vielleicht sogar ausgedachte Geschichten?

Ich gebe dem Buch eine klare Leseempfehlung: es ist spannend geschrieben, die Geschichte ist nachvollziehbar und der leicht tragische Held Varendorf eine sympathische Gestalt.

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Zuckerfest [Updates]

Unsere junge muslimische Kollegin hat zur Feier des Tages arabisches Gebäck mitgebracht. Auch wenn es sehr süß und vom Geschmack ungewöhnlich ist, hin und wieder esse ich sowas ganz gerne.

Bearbeitet mit Camera+

Update 1: süß waren nur die gefüllten Dreiecke vorne (mit Honig überzogen) und die hinten versteckten Kekse mit Marmalade. Die Kringel rechts waren recht bröseliger Teig mit Kümmel! Gar nicht meine Welt und die eingepackten Dinger waren etwas geschmacklos und ebenfalls bröselig.

Update 2: Die Kollegin von der Telefonzentrale berichtet von einem Anruf. „Hallo, ich soll heute bei Ihnen anfangen, aber ich kann die nächsten Tage nicht kommen.“ – „Ach ja? Wieso das?“ – „Aber es ist doch Zuckerfest! Da feiern wir drei Tage lang!“

Ich sag‘ mal so, einen guten ersten Eindruck macht das nicht…

Er ist (schon) wieder da!

Ich habe meinen Augen nicht getraut: heute Morgen stand er wieder da, der unheimliche Einkaufswagen! Und so startet nach gut zwei Monaten eine neue Fotoserie mit dem Teil.
Und ich schwöre, ich habe nichts, aber auch GAR NICHTS mit dem Wagen zu tun. Ich bin nur Chronist der Ereignisse.

Bearbeitet mit PictureShow

 

Die Mutter und ihr Kind

Heute Mittag kommt eine junge Mutter (so Anfang 20) mit ihrem Frischling auf der Suche nach Möbeln zu uns ins Lager. Das Kind ist ein Wonneproppen mit dicken rosigen Bäckchen, strahlend blauen Augen und lacht jeden vergnügt an.

Die Kollegen, sonst voll die harten Kerls, schmelzen dahin wie Eis in der Sonne. Nach ein paar Minuten verziehen sich aber die ersten und stehen mit leicht angewidertem Gesicht abseits. „Na?“, denke ich, „hat das Kind etwa die Hose voll?“

Etwas später, die Mutter sucht immer noch, umweht mich sogar im Büro der liebliche Duft von vollen Babywindeln. Die Kollegen haben sich inzwischen verzogen und versuchen durch heftiges Rauchen den Mief zu bekämpfen.

Als Nichtraucher bin ich da natürlich im Nachteil. Also mache mich auf die Suche nach der Mutter. „Junge Frau, ich glaube, ihr Sprößling hat die Windel voll gemacht.“
Sie „Ach je, danke.“, stürzt auf den Kinderwagen zu, reißt das Kind raus, bohrt die Nase tiieeef in den Windelpo, inhaliert noch tiiiiiiiiieeeeefer und fragt „Na Schatzi, hast du etwa Kacka gemacht?“

Mir wird kotzübel, die Kollegen stöhnen entsetzt auf und im selben Augenblick blitzt vor meinem geistigen Auge das Gesicht Michael Mittermeiers auf: er hatte so recht mit seinem Sketch! Aber lachen kann ich jetzt nicht darüber…

Da der Gestank sowieso schon in den Räumen hängt und die junge Frau selbstverständlich mit Ersatzwindeln und Reinigungszeugs voll ausgerüstet ist, schaffen wir ihr kurzfristig auf einem alten Tisch eine behelfsmäßige Wickelgelegenheit. Die vollgeschissene Windel wird in einer mehrfach zugeknoteten und dick mit Tesafilm umklebten Mülltüte im Müllcontainer entsorgt. Jetzt noch einige Standventilatoren aufgestellt, die den Mief rauspusten.

Puh, gerettet!

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