„Mama!“ weinend kam Philoma ins Wohnzimmer gerannt und warf sich ihrer Mutter in den Schoß.
Diese legte ihr Exemplar des Magischen Reiters zur Seite, streichelte ihrer Tochter über den Kopf und fragte „Was ist denn los, mein Schatz?“
Zwischen Schluchzen und Nase hochziehen erklärte Philoma „Dora will mir Männerohren anhexen.“
Gegenüber sah Wilhelm zweifelnd über den Rand seiner Zeitung „Also ich trage schon mein Leben lang Männerohren und bin ganz zufrieden damit.“
Ein strafender Blick seiner Frau brachte ihn zum Schweigen.
„Aber da wachsen Haare raus und sie riechen!“ rief Philoma entrüstet und brach wieder in Tränen aus.
„Mein liebes Kind,“ sagte Olga sanft, aber energisch, „ein magisches Gesetz besagt, daß man einer Frau keine Körperteile eines Mannes anhexen kann. Umgekehrt natürlich auch nicht. Das ist einfach nicht möglich!
Im Laufe der Jahrhunderte haben es verschiedene Zauberer versucht… wobei ich mich frage, warum das immer nur Männer waren? Na egal… Auf jeden Fall gab es jedes Mal eine unglaubliche Schweinerei und die Labore der armen Kerle mussten aufwendig gereinigt werden.“
„Sind sie… sind sie dabei gestorben?“ mit offenem Mund war Philoma den Ausführungen ihrer Mutter gefolgt.
„Nein, nein,“ entgegnete Olga, „sie haben alle überlebt und erzählten hinterher von einer lautlosen, ganz langsamen Explosion, die jeden unbelebten Gegenstand pulverisierte. Du weißt ja, was dein Vater alles in seinem Labor gesammelt hat.“
Philoma nickte langsam und sah zu Wilhelm hinüber. Der hatte inzwischen die Zeitung sinken lassen und hörte seiner Frau aufmerksam zu.
„Und jetzt stell dir vor, all diese Dinge, Flüssigkeiten und Chemikalien vermischen sich. Und manche reagieren dann mehr oder weniger heftig miteinander. Das möchte man echt nicht erleben!
Nun, langer Rede kurzer Sinn: wenn Dora droht, dir Männerohren anzuzaubern, ist sie entweder sehr dumm oder sie will dir einfach nur Angst einjagen.“
„Genau so ist es!“ bekräftigte Wilhelm und verkroch sich wieder hinter seiner Zeitung, „…und meine Ohren riechen nicht!“
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