Durch Zufall habe ich meine Emails in Thunderbird durchforscht und bin dabei auf einen uralte Mail vom 03.08.2002 gestoßen. Es geht dort um die Registrierung auf einer Webseite für eBooks. Das Angebot gibt’s schon lange nicht mehr, das Mail könnte ich eigentlich auch löschen.
Krimis langweilen mich seit einiger Zeit. Die Geschichten sind einfach langweilig, schon hunderte Male erzählt.
Ist es denn so schwierig, interessante Handlungen zu entwerfen? Traut sich das keiner mehr? Kann das keiner mehr? Ist der Zuschauer so unwichtig, daß man ihn mit der ewig gleichen Kost langweilt?
Nachdem ich auf Eurosport den Giro d’Italia und die Tour de France gesehen habe und aktuelle die Vuelta a Espagna verfolge, frage ich mich, wer denn die Zielgruppe dieses Senders ist. (Ich nicht, so viel sei vorher schon verraten.)
Anhand der zwischendurch eingespielten Werbung läßt sich das ja super rausfinden. Und so bin ich zu folgenden Erkenntnissen gekommen:
Der Zielgruppe von Eurosport (lat. Visor vulgaris eurosportii)
– ist männlich
– hat Potenzprobleme
– hat graue Haare
– hat gepflegte Zähne
– verkauft oder verpfändet sein Auto
– kauft sich ein gebrauchtes Fahrrad
– nutzt einen Whoop Sporttracker
Außerdem hat er im Lotto gewonnen, sein Haus (das er natürlich selbst ausbaut) über Schwäbisch Hall finanziert und nutzt viel Solarenergie. Da bleiben für die Frau leider nur noch Geschenke von Etsy übrig.
Überraschend habe ich keinen Zugriff mehr auf mein Payback Konto. Es wären verdächtige Kontobewegungen festgestellt worden, wird mir angezeigt.
Hmm, wenn ich mir beim Einkauf Punkte gutschreiben lasse, ist das verdächtig? Nun ja, wer bin ich schon, daß ich das anzweifele.
Nach zwei Tagen rufe ich die Hotline an und habe natürlich gleich einen penetrant freundlichen Sprachcomputer dran.
Er fragt nach meiner Kundennummer und meinen Wünschen. Während er das erste noch direkt versteht, kann ich ihm mein Problem nicht begreiflich machen. Mehrfach beginnt er seine Fragerunde von vorne.
Und bevor ich Puls kriege, schalte ich auf stur. Wenn Captain Kirk einen Computer verwirren konnte, schaffe ich das auch.
Ganz freundlich und ohne Pausen beleidige ich den Computer als dumm, blöde KI, unfähiges Stück Metall, usw.
Meiner Frau ist das ganz peinlich „MARTIN! Wenn das jemand hört!“
„Ja und? Wenn die meinen, ich rede mit so einer Blechbüchse ernsthaft, habe sie sich geschnitten!“
Da, plötzlich klingt es in meinem Ohr: „Ich kann Sie leider nicht verstehen. Ich verbinde Sie mit einem Mitarbeiter.“
„Na also, Burschi, geht doch!“
Ein Blick auf die Uhr im Telefon zeigt, daß ich drei kostbare Minuten meines Lebens mit diesem Blechtrottel vergeudet habe. Was ich auch genau so in den Hörer nörgele.
Nur Sekunden später habe ich einen freundlichen Mitarbeiter in der Leitung, der mir schnell und kompetent hilft.
„Kann ich sonst noch etwas für Sie tun?“ meint er abschließend.
Ich überlege kurz, ob ich ihn frage, wer mir die mit dem Sprachcomputer verschwendete Zeit ersetzt, lasse es aber. Das hebe ich mir für eine andere Gelegenheit auf.
Insgesamt hat das Telefonat gute 6 Minuten gedauert, von denen 50% absolut überflüssig waren. Kundenfreundlich geht definitiv anders.